Das Bild der ersten Sitzung
Monika kommentiert:
Das ist der tolle Helmut (Helmut ist ihr Vater) im Schwimmbad neben einer braungebrannten Frau. Alle sind braungebrannt, nur ich nicht. Ich habe einen Sonnenbrand. Ich stehe auf dem 3 m Brett und soll springen, aber ich habe Angst. Helmut schreit mich an. Schließlich springe ich, damit er mich lobt, aber er sagt, daß ich schlecht bin. Ich tue mir oft weh, beim Turmspringen, aber ich muß es trotzdem immer wieder machen. In der Ecke ist meine schöne Freundin Hannelore, die kann Röcke tragen und hat schöne Zöpfe. Ich selbst sehe wie ein Junge aus und alle finden mich häßlich.
Monika weint heftig, während sie das erzählt. Ich: "Was ist in der anderen Ecke oben?"
Das sind meine Großeltern in der DDR. Die waren nett zu mir, aber ich habe so gut wie gar keine Erinnerungen an sie. Ein blasses Gefühl von, da war auch jemand liebes.
Das Bild der zweiten Sitzung
Monikas Kommentar:
Das ist wieder Helmut. Helmut mit den großen Händen. Mir machen diese Hände Angst.
Ich: "Der hat so einen roten Mund, als ob er ruft."
Ja, na warte, gleich krieg ich dich. Er haut mich oft, er rennt mit mir ums Bett, er verfolgt mich auch aufs Klo. Wenn er mich schlägt, zieht er mir vorher die Hosen aus. Er ist so ekelig.
Sie malt einen Käfig um Helmut.
Ich sperre den jetzt ein. Der kriegt nur Wasser und Brot und Handschellen, damit er sich nicht wehren kann. Dann muß er dieses Radio anfassen, das unter Strom steht. Als Strafe kriegt er eine gewischt. Das macht er nämlich sonst mit mir.
Während des Malens unterstütze ich Monika durch Doppeln wie, jetzt bin ich mal die Stärkere, ich habe jetzt die Macht, ich lasse mir nichts mehr von ihm gefallen, jetzt muß ich endlich keine Angst mehr haben. Sie malt sich selbst auf einem Pferd.
Mit diesem Pferd kann ich reiten, wohin ich will. Es ist sehr schnell. Keiner kann mich einholen. Ich werde gleich davonreiten und nie mehr wiederkommen. Helmut kann von mir aus sterben.
Das Bild der dritten Sitzung
Monika erklärt zu diesem Bild:
Wir sind im Italienurlaub. Meine Mutter steht auf einer Brücke und Helmut fotografiert sie. Sie sieht sehr schön aus, sie ist braungebrannt und zwei Italiener drehen sich nach ihr um. Im Hintergrund bin ich mit zwei Freundinnen. Ich habe Sommersprossen und sehe wie ein Junge aus. Das sind meine großen Zähne. Mit diesen Freundinnen zusammen fühle ich mich stark, deshalb bin ich auch frech. Ich würde gerne so aussehen wie meine Mutter. Meine Mutter ist die tollste Mutter, die es gibt.
Ich: "Deine Mutter ist wirklich sehr schön. Sie ist sehr gepflegt und geschminkt, sie achtet bestimmt sehr auf sich."
Monika wütend:
Ja, aber ich bin ihr egal, auf mich achtet sie überhaupt nicht. Sie denkt nur an sich und diesen Helmut.
Ich: "Du sprühst ja vor Zorn."
Ich beschieße sie jetzt mit Pfeilen. Sie hat es nicht anders verdient. Sie ist keine Mutter für mich.
Monika ist durch das Bild des Vaters im Käfig sehr erwärmt, so daß wir es in den folgenden Sitzungen psychodramatisch ausspielen. Sie baut einen Käfig aus Stühlen und setzt Fred hinein. Im Rollentausch mit Helmut wird deutlich, daß Helmut selbst ziemlich ängstlich ist. Er ist unterwürfig, jammert und bettelt um Gnade. Je mehr Helmut wimmert, um so zorniger wird Monika. Ich setze mich hinter die Stühle, geschützt, und spiele Helmuts Feigheit aus. Monika: Du sollst Angst vor mir haben. Du "Würstchen". Ich schneide dir ein Ohr ab. Das schicke ich deiner Mutter. Helmut ist jetzt Monikas Gefangener, der ihr gehört. Wann immer ihr danach ist, ihn zu quälen, steht er ihr zur Verfügung. Sie setzt sich ihm ins Kreuz, verdreht ihm die Arme. Sie hält seinen Kopf unter Wasser. Dieses Bild baut sie in drei Sitzungen hintereinander auf. Sie hat das Gefühl, daß soviel Wut in ihr sei, daß sie die Szene noch einmal spielen müsse.
Durch das Ausspielen werden auch die Parallelen zu ihrem Verhalten in der Beziehung zu David deutlich. Wir spielen ihre infantilen Bedürfnisse gegenüber David aus. Am liebsten soll er immer für sie da sein, sie muß immer wissen, wo er sich aufhält. Am liebsten würde sie ihn ebenfalls in einen Käfig sperren, so daß er jederzeit verfügbar ist. Im Rollentausch mit David wird ihr erst deutlich, wie anstrengend die Beziehung für ihn ist. Ich bitte sie, ein Symbol für David zu wählen. Sie wählt den Eisbären. Sie ist erschreckt: "Er ist doch ein lieber Bär. Ich habe keinen Grund, ihn auch so zu quälen." Sie kann in diesem Moment zum ersten Mal einsehen, daß sie in dieser Beziehung Täterin und nicht Opfer ist. Sie setzt dieser Erkenntnis heftigen Widerstand entgegen, weil diese ja impliziert, daß sie die Aktive ist, und die Verantwortung und die Konsequenzen für ihr Verhalten selbst zu tragen hat.
Es folgen: das Ausspielen ihrer Erlösungsphantasien gegenüber David, "der Prinz, der von Gott geschickt ist, sie zu retten", das Ausspielen ihrer Abhängigkeit in der Beziehung, "David als Droge, um die Welt zu vergessen".
Wir spielen immer wieder auf den unterschiedlichsten Ebenen Konfliktsituationen mit David durch, die ihre mangelnde Beziehungsfähigkeit aufgrund ihrer infantilen Persönlichkeit aufdecken. Nach solchen Spielen gelingt es ihr meistens für eine Zeit lang, David in seiner Individualität zu akzeptieren.




