Puppen und Stofftiere

In meinem Therapiezimmer gibt es mehrere Stofftiere und Puppen, einen großen Teddybären, einen großen Eisbären, eine graue Handpuppe, die "Miekatze", einen weißen Hasen, namens "Babyhase", und einen Hund. Diese Tiere haben sich innerhalb der Therapie sehr bewährt. Die großen Bären, sie sind ca. 50"cm groß, werden für Trost und Schutz gewählt. Ihnen kann der Patient sein Leid und seine Ängste anvertrauen. Nach dem Ausspiel von sehr schweren Themen, z.B. Gewalt- und Mißbrauchserfahrungen, gebe ich den Patienten einen der Bären als Begleiter mit nach Hause.

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In der Einzeltherapie fehlt das heilsame Moment des "sharing" in der Gruppe, indem der Protagonist die Erfahrung macht, in seinem Leiden nicht allein zu sein. Das Ausspiel von Gewalt- und Mißbrauchserfahrungen ist mit viel Scham und Angst vor Ablehnung verbunden. In einigen Situationen bricht der Protagonist lieber den Kontakt zu seiner Umwelt ab, um Ohnmacht, Schmerz und Gefühle von Verlassenheit nicht erneut zu spüren. Die Bären stellen eine Verbindung zur Therapie und zur Therapeutin dar, so daß der Protagonist sich sicher und aufgehoben fühlen kann.

Da mit dem Ausspiel von traumatischen Erlebnissen häufig länger anhaltende Trauerreaktionen verbunden sind, kann die Trauer zu Hause weiter durchlebt werden, wobei sich der Protagonist durch den therapeutischen Begleiter, den Bären, nicht alleingelassen fühlt und über das Stofftier die Verbindung zum Therapeuten hat. Viele Patienten erinnern sich in solchen Momenten an eigene wichtige Stofftiere, denen sie sich als Kind anvertraut haben, und nehmen das zum Anlaß, sich selbst ein Stofftier zu kaufen.

"Babyhase", Hund und v.a. die "Miekatze" werden häufig für die Rolle des verlassenen, entwurzelten Kindes gewählt. Sie sind hilfreich bei der Aufarbeitung früher Störungen, Trennungserlebnissen von der Mutter, Krankheit oder Tod der wichtigsten Bezugsperson. Mit diesen Erlebnissen ist das Gefühl verbunden, nicht genug bekommen zu haben und nicht für sich sorgen zu können. Die Tiere bleiben in der Obhut des Therapeuten, sozusagen bei der Mutter. Im Dialog mit dem Stofftier geht es um seine Verlassenheitsgefühle und darum, herauszufinden, was es braucht, um sich in der Welt zurecht zu finden. Der Protagonist nimmt in diesem Prozeß selbst die Mutterrolle, eine Rolle, die er sich nicht unbedingt zutraut. Die Patienten gewinnen darüber häufig die Einsicht, über mehr Ressourcen zu verfügen, als sie glauben.

In der Aufarbeitung früher Störungen werden auch Kinderpuppen als Hilfs-Ich gewählt. Ich besitze eine weiße Babypuppe, ein hellhäutiges blondes Mädchen, ein farbiges Mädchen und einen farbigen Jungen. Die Puppen sind ca. 60"cm groß und so schwer, daß die Assoziation, ein Kind zu halten, leicht fällt. Interessant ist, daß die farbigen Puppen ebenso häufig wie die hellhäutigen gewählt werden. Das blonde Mädchen steht vielfach für die Wunschrolle, das Mädchen, das ich nie sein durfte oder nie war. Die farbigen Puppen werden gewählt als Ausdruck von Außenseiterrollen, die Rolle "des schwarzen Schafes" in der Familie. Sie verkörpern für viele Patienten den Wunsch nach Natur und Unberührtheit, die Beziehung zur Erde oder den Wunsch, Gewohnheiten zu durchbrechen, Rebellion und Aufbruch in eine ferne Welt.