Fallbeispiel Monika

Ich möchte gerne anhand eines Fallbeispieles einen therapeutischen Prozeß über mehrere Sitzungen darstellen, in denen die kreativen Medien als psychodramatisches Agens eine Rolle spielen.

Biographische Daten

Monika war zum Zeitpunkt des Therapiebeginns 43 J. alt. Sie war seit einem Jahr geschieden und lebte mit ihrer 17jährigen Tochter und ihrem 15jährigen Sohn zusammen. Ihren seit Beginn der Ehe alkoholabhängigen Mann schilderte sie als dominant und brutal. Sie war in der Ehe von ihrem Mann geschlagen und wiederholt vergewaltigt worden.

Seit der Scheidung arbeitete sie ganztags als Sekretärin. Seit einem halben Jahr hatte sie einen neuen Partner, den sie als das Gegenteil ihres Mannes schilderte. In der Beziehung erlebte sie sich als dominant und beherrschend. Sie hatte wegen ihrer unkontrollierten Wutausbrüche und ihrer massiven Eifersucht große Probleme in der Partnerschaft. Ihr Partner drohte, die Beziehung zu beenden, wenn sie sich nicht änderte.

Monika litt ferner seit der Scheidung unter dem Problem, daß sie nicht auf fremden Toiletten urinieren konnte. Durch übermäßiges Zurückhalten des Urins während der Arbeit oder bei Besuchen in der Wohnung des Partners hatte sie ständig Blasenentzündungen. Aufgrund häufigen Fehlens wegen dieser Erkrankungen wurde sie nach Beendigung der Probezeit gekündigt.

Monika war Einzelkind. Ihre Mutter war direkt nach der Geburt arbeiten gegangen und hatte die Familie ernährt. Bis zum 3. Lebensjahr hatte der Vater sich um sie gekümmert. Dann kam sie in unterschiedliche Pflegefamilien. Der Vater arbeitete als Bademeister, so daß sie seit dem 6. Lebensjahr gezwungen war, sich nach der Schule im Schwimmbad aufzuhalten. Sie sollte eine Leistungsschwimmerin werden, versagte aber aufgrund körperlicher Schwäche. Sie litt u.a. darunter, daß sie das Gefühl hatte, daß sich ihre Eltern ihrer schämten. Sie war nichts besonderes, keine Tochter, die man vorzeigen konnte. Als Kind war sie untergewichtig, hatte Asthma, zu große Zähne und Sommersprossen. Beide Eltern ließen sie ihre Ablehnung spüren. Der Vater prügelte sie viel, zum größten Teil auf Anweisung der Mutter.

Erfahrungen von Ablehnung und körperlicher Gewalt begleiten das Leben von Monika. In der Schule, in den Pflegefamilien, in Freundschaften und in ihrer Ehe war sie Opfer von Gewalt. Die einzige Ausnahme bildet die aktuelle Partnerschaft mit David.

Das soziale Atom

Das soziale Atom von Monika zeigt ihre soziale Isolation. Sie hat außer einer Freundin in Berlin keine sozialen Kontakte außerhalb ihrer Familie und der Beziehung zu David, ihrem derzeitigen Partner. Ihre Eifersucht lebt sofort auf, als sie berichtet, daß David zwei enge Freunde hat, mit denen er sich regelmäßig trifft bzw. mit denen er schon mal für ein paar Tage verreist. Sie gibt zu, daß sie ihre sozialen Kontakte abgebrochen hat, seit sie ausschließlich auf David fixiert ist. Wenn sie nicht mit David zusammen ist, sitzt sie in ihrem Zimmer und beschäftigt sich mit ihren Ängsten.

Monika fühlt sich in allen Beziehungen ihres sozialen Atoms außer in der zu David abgelehnt. Ihre Kinder reagieren eifersüchtig und machen ihr Vorwürfe, daß sie keine gute Mutter ist und kein Recht auf David hat. Sie fühlen sich vernachlässigt und halten die Beziehung zu David für pathologisch. Ihr Vater ignoriert sie. Ihre Mutter hält ihr vor, daß David einfacher Arbeiter ist und zu wenig Geld verdient. Monika selbst wünscht sich noch immer, endlich einmal von ihrer Mutter anerkannt und gelobt zu werden. Ihre Tochter Stephanie lehnt sie ab, weil sie mit ihrer Mutter gegen sie koaliert. Zu ihrem Sohn Oliver wünscht sie sich eine bessere Beziehung. Ihr Sohn lehnt David jedoch ab und hat sich von ihr zurückgezogen.

Die Opfer - Täter - Problematik

Monika selbst trägt aufgrund der massiven Gewalterfahrungen durch Männer sehr viel Haß in sich, den sie jedoch hinter ihrer Opferhaltung verbirgt. So sieht sie sich in der Beziehung zu David eher als Opfer, obwohl diesmal sie es ist, die schon mal zuschlägt und Szenen macht. Sie hat das Gefühl, daß ihr Verhalten und ihr Mißtrauen berechtigt sind, weil David sich sowieso von ihr trennen wird und sie nur hinhält. Dann würde ihre Mutter wieder einmal Recht behalten, daß sie die falschen Männer wählen würde.

Es kommt in der Partnerschaft zu Konflikten, weil Monika David mit ihren Forderungen von Liebesbeweisen tyrannisiert. David soll ihr ständig sagen, "Du bist die Schönste, die Wichtigste für mich." Monika ist z.B. eifersüchtig auf den Sohn Davids aus 1. Ehe und konkurriert mit diesem. Sie kann es kaum aushalten, wenn David in ihrer Gegenwart mit anderen Dingen, z.B. fernsehen oder Zeitung lesen beschäftigt. David weigert sich, mit ihr zusammenzuziehen, solange sie ihn derart quält. Darin sieht Monika wiederum die Bestätigung dafür, daß David sie nicht liebt.

Für mich war es ein wichtiges Therapieziel, die Aggressionen von Monika herauszubringen und ihre Wut an die Menschen zurückzugeben, die ihr Leid zugefügt hatten.

Monika stellte in der Therapie immer wieder Fragen wie: Warum passiert mir das? Warum hat mein Vater mir soviel angetan? Es muß doch etwas an mir geben, daß die Menschen so zu mir sind? Mit diesen Fragen drehte sie sich jedoch im Kreis. Sie war der Meinung, bereits als Kind boshaft und gemein gewesen zu sein. Sie hätte damals ebenfalls in Therapie gehört. Ich griff diesen Gedanken auf und wir verabredeten, daß sie in den kommenden drei Sitzungen als ca. Achtjährige zur Therapie kommt.

Zu Beginn der Sitzungen nimmt sie zunächst keinen Kontakt zu mir auf. Ihre Körperhaltung drückt Trotz und unterdrückte Wut aus. Ich spreche Sie darauf an: "Du siehst aus, als würdest du gleich platzen." Monika:" Das stimmt. Ich würde am liebsten alles durch die Gegend werfen, so wütend bin ich." Ich: "Du kannst die Kissen werfen, wenn du möchtest." Monika: "Nein, ich will malen." Sie malt los.